Johannesbote

Palmzweige aus Bordighera und der Obelisk am Petersplatz

Die Verbindung zwischen Palmzweig und Obelisk ist verständlicher Weise nicht sofort ersichtlich. Deswegen möchte ich Ihnen – passend zum Palmsonntag – eine kleine Geschichte erzählen:

Jedes Jahr segnet der Papst am Palmsonntag Palmzweige, die an die anwesenden Kardinäle, Bischöfe sowie den liturgischen Dienst ausgeteilt werden. Eine damit verbundene Palmprozession ist in Jerusalem seit dem Jahr 384 belegt, im Westen ist sie ab dem 8. Jahrhundert anzutreffen und findet im späten Mittelalter Einzug in die liturgischen Bücher der lateinischen Kirche.

Im Jahr 37 n. Chr. ließ Kaiser Caligula aus dem altägyptischen Heliopolis einen Obelisken nach Rom überführen, für den eigens ein Schiff gebaut werden musste, um diesen Koloss mit einem Gewicht von 322 t und einer Länge von 25,5 m zu transportieren. Seinen Platz fand er inmitten des Circus des Nero am Vatikanhügel. Dort stand er bis zum Jahr 1586. Bis ihn Papst Sixtus V. versetzen ließ. Sixtus V. war ein Mann, der Rom ein neues Gesicht gab; er begradigte Straßen, modernisierte das Verkehrsnetz, errichtete Pilgerhospize und ließ Bauwerke restaurieren. Das Unternehmen war gewaltig. Der Obelisk stand links vom Petersdom auf Höhe des Campo Santo Teutonico, des Deutschen Friedhofs, der bis heute exterritoriales Gebiet ist und nicht zum Vatikanstaat gehört. Eine steinerne, helle Bodenplatte zeigt bis heute seinen ehemaligen Standort. Um diesen Monolith aus Granit in die Mitte des Petersplatzes zu bewegen, setzte man 44 Winden, 900 Arbeiter und 140 Pferde ein. Die Arbeiten dauerten vier Monate lang, vom 30. April 1586 bis zum 10. September. Den Papst bewegte dabei nicht so sehr eine künstlerische oder architektonische Frage, sondern er wollte mit dieser Leistung den Sieg des Christentums über die heidnische Antike demonstrieren.

Nachdem der Obelisk an seinen Platz gebracht worden war, musste er aufgerichtet werden, ohne dass er zerbrach. In angespannter Stille, die der Papst bei Todesstrafe angeordnet hatte, damit alle die Anweisungen des Architekten Domenico Fontana hören konnten, begannen, als der Obelisk auf halber Höhe war, die Seile zu rauchen. Ein beherzter Arbeiter – sich der Strafe sehr wohl bewusst – rief über den Platz; „Aqua alla corde!“ – „Wasser auf die Seile!“ Schnell holte man Wasser herbei und goss es auf die Seile. Diese festigten sich wieder und so konnte der Obelisk unbeschadet aufgestellt werden.

Als Dank für das mutige Eingreifen eines Matrosen aus Bordighera, der die Schwierigkeit überspannter Seile von der Seefahrt her kannte, belohnte ihn der Papst mit Golddukaten und verlieh ihm und seiner Familie für alle Zeiten das Privileg, die für die Feier des Palmsonntages nötigen Zweige in Rom zu verkaufen und die päpstliche Prozession damit auszustatten.

Und nun kennen Sie die Verbindung der Palmzweige aus Bordighera und dem Obelisken am Petersplatz.

Mit dieser kleinen Geschichte wünsche ich Ihnen einen frohen Palmsonntag und ein gesegnetes Osterfest – in herzlicher Verbundenheit

Ihr
Pfr. Frank R. Felgner

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